Wiebke Wimmer - Bücher mit Musik

Ich bin Wiebke Wimmer, Buchautorin und Musikfan. 1972 kam ich auf der Insel Sylt zur Welt. Gute Geschichten waren schon immer mein Ding, deswegen studierte ich Literaturwissenschaft in Bamberg und Kiel.
In meiner Musikroman-Trilogie geht es um eine junge Musikerin, die sich aus dem Schatten ihrer berühmten Rockstar-Mutter befreit und und alles riskiert, um ihren eigenen Sound zu finden.
12 Fragen an die Autorin
Wann hast du angefangen zu schreiben?
Ich gehöre leider nicht zu den Menschen, die schon als Kind Tagebuch geschrieben haben. Gelegentlich, ja, aber nicht regelmäßig. Trotzdem hatte ich immer Geschichten im Kopf. Irgendwann sagte mir die Deutschlehrerin: "Deine Aufsätze sind ja druckreif! Du erzählst so lebendig, vielleicht solltest du Romanautorin werden?" Gute Idee, aber das dauerte noch ein paar Jahrzehnte. Ich studierte in der Zwischenzeit Literaturwissenschaft und spielte zwanzig Jahre lang professionell Improtheater. Das Erfinden von Geschichten war also immer ein Teil von mir, auch wenn ich mich erst mit 45 an mein erstes Romanprojekt gewagt habe.
Wie bist du dazu gekommen, Romane über Rockmusik zu verfassen?
Musik war schon immer ein wichtiger Teil meines Lebens. Für mich ist Musik ein Gefühl, das mich durch meine Jugend und mein Leben als Erwachsene begleitet hat. Jeder Lebensabschnitt, jedes Ereignis hat seinen eigenen Soundtrack. Als ich mich in meinem Studium der Literaturwissenschaft intensiv mit Büchern beschäftigte, fiel mir auf, dass es nur sehr wenige Romane über Musik gibt. Ich wollte aber unbedingt eine Coming-of-Age-Geschichte über eine Schlagzeugerin lesen. Die habe ich nicht gefunden. Also habe ich sie geschrieben.
Welche Rolle spielt Schlagzeug und Rhythmus in deinen Geschichten?
Das Schlagzeug ist für mich das faszinierendste Instrument überhaupt. "Du hast den Rhythmus im Blut" war immer schon ein erstrebenswertes Kompliment. Bei Konzerten achte ich besonders auf die Menschen hinter dem Drumkit. Als ich mit meinem Debütroman KILL YOUR BEAST anfing, wusste ich schnell, dass es um eine Drummerin gehen würde. Um eine junge Musikerin, die sich ihren Weg freitrommelt, gegen alle inneren und äußeren Widerstände. Der Rhythmus ist untrennbarer Teil meines Schreibens. Ich lese mir das, was ich verfasse, immer selbst laut vor, damit ich fühlen kann, ob der Groove stimmt.
Warum faszinieren dich Musikerinnen als Figuren?
Ich finde, dass Musikerinnen allgemein und speziell Schlagzeugerinnen in der Musikszene und auf Festivals immer noch unterrepräsentiert sind. Unter den 100 besten Drummer aller Zeiten (Liste vom Rolling Stone Magazine) sind gerade mal fünf Frauen. Dabei gibt es so viele Mädchen und Frauen, die ein Instrument spielen oder singen und die richtig laut sein können. Ich will sie hören. Das ist der Grund, warum ich Bücher schreibe, in denen eine junge Drummerin die Protagonistin ist. Ich will diese Musikerinnen sichtbarer machen.
Welche Musik hörst du beim Schreiben deiner Musikromane?
Gar keine. Ich kann mich entweder auf das Schreiben oder auf die Musik konzentrieren. Aber vor und nach den Schreibsessions höre ich sehr viel Musik, quer durch die Genre und Interpreten.
Spielst du selbst ein Instrument?
Ja, gleich mehrere. Wie viele andere habe ich in der musikalischen Früherziehung mit der Blockflöte angefangen, dann kam die Querflöte. Ich singe in zwei Bands und spiele Schlagzeug. Außerdem habe ich drei Ukulelen, die ich einigermaßen bedienen kann.
Wie entsteht eine Figur wie Mona aus deiner Musikroman-Trilogie?
Mona ist in einem Schreibcoaching bei Rainer Wekwerth entstanden. Ich hatte ein Romanprojekt angefangen, das mich aber komplett überforderte. Rainer half mir in seinem Schreibkurs dabei, etwas Neues zu entwickeln. Die erste Aufgabe war, eine Figur so genau wie möglich zu beschreiben. Und auf einmal war Mona da, das Mädchen mit dem Rhythmus im Blut, das ihr Talent um jeden Preis wieder loswerden will. Inzwischen kenne ich Mona seit neun Jahren und bin immer wieder überrascht davon, wie sie sich entwickelt.
Welche Bücher oder Künstler haben dich beeinflusst?
Daisy Jones & The Six von Taylor Jenkins Reid hat mich umgehauen. Es geht in diesem Musikroman um Aufstieg und Fall einer fiktiven Band. Vom Schreibstil bewundere ich vor allem Alena Schröder, Mariana Leky und Frank Schulz.
Was macht einen guten Coming-of-Age-Roman mit Musik aus?
Ich selbst liebe es, Coming-of-Age-Romane zu lesen. Wenn das Buch gut ist, dann fühle ich mich wieder in mein jüngeres Ich zurückversetzt. Vor allem, wenn Musik im Spiel ist. Ich kann mitfiebern, mitfühlen und mit den Augen rollen. Und ich spüre förmlich die Kopfhörer meines Sony-Walkman an den Ohren, die mir in den Teenagerjahren so gut wie angewachsen waren.
Woran arbeitest du gerade?
Nachdem KILL YOUR BEAST und ROCK YOUR BEAST, die ersten beiden Teile meiner Musikroman-Trilogie, fertig sind, arbeite ich am dritten Band FREE YOUR BEAST. Parallel dazu schreibe ich eine Kurzgeschichte mit dem Titel LOVE YOUR BEAST, in dem die Vorgeschichte der Trilogie erzäht wird.
Schreibst du auch was anderes als Romane?
Oh ja, alles mögliche. Den Einstieg ins Schreiben fand ich als Textschaffende in der Unterhaltungsmusik, ich bekam 2005 ein Stipendium von der GEMA. Seitdem schreibe ich Liedtexte für Mireille Mathieu, Rainer Bielfeldt, mein eigenes Chansonprogramm W und für die fiktiven Bands Zilla und Halo White in KILL YOUR BEAST und ROCK YOUR BEAST. Gemeinsam mit Achim Kußmann (Autor, Sprecher und unangefochten bester Ehemann der Welt) verfasse ich bis heute Glossen für die plattdeutsche NDR-Hörfunkreihe Hör mal 'n beten to. Ich schreibe die Geschichten auf Hochdeutsch vor, Achim macht sie platt. Und wenn mich mal wieder das Bühnenfieber packt, nehme ich an Poetry Slams teil. Manchmal gewinne ich sogar. Zum Beispiel den Itzehoer Lauschbar-Slam oder die Hamburger Jägerschlacht.
Letzte Frage: Warum schreibst du?
Das ist eine Frage, vor der sich viele Autorinnen fürchten. Weil ich's kann? Weil es Spaß macht? Weil gerade nix auf Netflix läuft? Weil es mir dann besser geht? Hm. Irgendwann hatte ich eine Begegnung, die mir eine Antwort auf diese Frage gab. Es war bei einer Lesung aus meinem Schlagzeugroman KILL YOUR BEAST. Ein älterer Herr saß im Publikum, hörte mir ganz genau zu und runzelte immer wieder die Stirn. Nach der Lesung kam er zu mir. Ich erwartete eine kritische Bemerkung, aber er sagte: "Seit meiner Jugend will ich Schlagzeug spielen lernen. Aber erst ließen mich meine Eltern nicht, und dann habe ich es mir selbst nicht gestattet." Er räusperte sich. "Die Geschichte ihrer jungen Drummerin hat mich sehr bewegt. Und wissen Sie was? Morgen melde ich mich bei der Musikschule an." Er hatte Tränen in den Augen. Ich auch. Darum schreibe ich. Weil ich damit Menschen bewege und sie mit ihrer Kreativität in Kontakt bringe.
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