Bücher über Musik: 12 Buchempfehlungen von laut bis leise

"The book of love has music in it", wusste schon Peter Gabriel. Und in der Tat, nicht nur in romantischen Büchern gibt Musik den Ton an. Ich stelle zwölf sehr unterschiedliche Buchempfehlungen vor, von Heavy Metal bis Klassik, vom lautesten bis zum leisesten Leseerlebnis. Ein Dutzend Bücher über Musik, Musik, Musik.

Nico Rose: Hard, Heavy & Happy. Heavy Metal und die Kunst des guten Lebens

Das Buchcover von Nico Rose Hard, Heavy und Happy.

Die lauteste meiner Buchempfehlungen. Metal macht glücklich. Nicht alle, aber den Metalhead an sich. Und davon gibt es viele, allein in Deutschland rund sieben Millionen. 


Nico Rose, Wirtschaftspsychologe und Autor, ist einer von ihnen. Sein Buch "Hard, Heavy & Happy" ist eine unterhaltsame wissenschaftliche Abhandlung über Metal, Heavyness und psychische Gesundheit. Dazu gehören: eine selbst durchgeführte Studie an 6000 Metalheads. Interviews mit Schwermetall-Profis. Und ein Anhang, der so imposant ist wie der Stimmumfang von Rob Halford, Sänger der Band Judas Priest. Literaturverzeichnis und Fußnoten sollten aber niemanden von der Lektüre abhalten. Ich habe beim Lesen gelernt, dass Metal wütende Musik für fröhliche Menschen ist. Dass psychische Gesundheit nicht automatisch die Abwesenheit von psychischer Krankheit bedeutet. Und dass Metal für Fans nicht nur nice to mosh to ist, sondern eine Lebenseinstellung. Manchmal sogar ein Lebensretter (Heyne Verlag, 2022, 368 Seiten, 18 €)

Wiebke Wimmer: Kill Your Beast

Darf bei den Buchempfehlungen nicht fehlen: Das Cover von Wiebke Wimmers Schlagzeugroman Kill Your Beast

"Kill Your Beast" handelt von der sechzehnjährigen Mona, die den Rhythmus im Blut hat. Kein Wunder. Ihre Mutter war die berühmteste Rock-Drummerin aller Zeiten. Und die ist an einer Überdosis Heroin gestorben, als Mona noch ein Baby war. Das Kind wächst behütet und fern jeglicher Rockmusik beim Vater in Nordfriesland auf. Als Mona entdeckt, dass sie das Trommeltalent ihrer Mutter geerbt hat, tut sie alles, um es zu unterdrücken. Sie will auf keinen Fall so werden wie sie. Aber wie das so ist, wenn man etwas verdrängen will, was zu einem gehört – es kommt immer wieder hoch ...


Ein Buch über Musik und über das Erwachsenwerden. Ohne Herzschmerz und Klischees, dafür mit Rock made in Norddeutschland. Mit einem gesellschaftlich relevanten Thema: Frauen in der Musikszene. Auf der Liste der 100 besten Drummer aller Zeiten stehen gerade mal 5 Frauen. Ich wünsche mir, dass sich viel mehr Mädchen und Frauen ans Drumset setzen und laut sind. Vielleicht kann ich als Autorin dieses Schlagzeugromans dazu beitragen (Independently Published, 2023, 376 Seiten, 16 €)

Tamara Leonhard: Rock In Peace

Eins der emotionalsten Bücher über Musik: Das Cover von Tamara Leonhards Musikdrama Roman Rock in Peace

Eine dieser Buchempfehlungen, die sowohl laut als auch leise sind. Denn musikalisch dreht sich in diesem Roman alles um Punk, doch im Vordergrund steht das Thema Trauer.


Simon, Frontmann der Punkrockband EXIT SixTwenty, verliert seinen besten Freund und Bandkollegen Erik bei einem Autounfall, was ihm komplett den Boden unter den Füßen wegreißt. Zum Schock über den Tod seines Weggefährten kommen furchtbare Schuldgefühle, den Simon fühlt sich verantwortlich für den Unfall. Weder die Schwester seines verstorbenen Freundes noch die anderen Bandmitglieder können ihn aus seiner Verzweiflung holen.


Tamara Leonhard beschreibt sehr einfühlsam die kreisenden, immer dunkler werdenden Gedanken der Hoffnungslosigkeit und schließlich den langen Weg zurück ins Leben. Die Kraft der Musik spielt dabei eine bedeutende Rolle. 


Ein Roman, der unter die Haut geht und wunderschön gestaltet ist (Independently Published, 2025, 532 Seiten, 18,50 €)

Taylor Jenkins Reid: Daisy Jones & The Six

Eins der besten Bücher mit Musik: Das Cover von Daisy Jones and the Six von Taylor Jenkins Reid

Taylor Jenkins Reid hat diesen Musikroman in Form eines Interviews geschrieben, in dem die Mitglieder und Wegbegleiter der legendären Rockband Daisy Jones & The Six vierzig Jahre nach der Trennung über die Gründe sprechen. 


Interview? Das klingt trocken und sperrig. Aber ich war beim Lesen sofort mittendrin im Sex and Drugs and Rock’n’Roll-gesättigten Kalifornien der 60er und 70er Jahre. Und ich habe der Autorin von Anfang an geglaubt, dass es diese Band wirklich gibt.


Was ich an diesem Buch am meisten liebe: Es geht wirklich um Musik. Songwriting, Proben, Studioproduktion und Auftritte werden nicht nur angedeutet. Wir werden so realistisch mit in den Entstehungsprozess der Musik genommen, dass ich beim Lesen immer wieder den Impuls hatte, die Songs beim Streamingdienst meiner Wahl zu suchen. Inzwischen gibt es die Band Daisy Jones & The Six wirklich, dank der gleichnamigen Miniserie, die 2023 auf erschienen ist (Ullstein Taschenbuch, 2022, 368 Seiten, 12,99 €)


Isabella Caldart: Nirvana. 100 Seiten

Eine von zwölf Buchempfehlungen: Das Cover von Isabella Caldarts Buch Nirvana

Wo warst du, als Kurt Cobain starb? Ich gehöre zur Generation X, die diese Frage sofort beantworten kann. Isabella Caldart, Autorin von "Nirvana" aus der Reclam-Reihe 100 Seiten, ist ein jüngerer Fan. Sie hat die wenigen Jahre, in denen Kurt, Krist und Dave Musikgeschichte geschrieben haben, nicht hautnah miterlebt. Und genau das macht diese Biografie so spannend und so anders als die meisten anderen Werke über die Band. Sehr viele Bücher über Nirvana stammen nämlich von weißen Männern der GenX, und dementsprechend werden dort einige Themen ausgeblendet. Isabella Caldart blendet sie wieder ein. Kurts queere Seite, das politische Engagement der Band gegen Sexismus und Rassismus und die problematische, widersprüchliche Beziehung zwischen Kurt und den Medien. Dabei feiert Caldart nicht automatisch alles, was die Band gemacht hat. Mir hat besonders gefallen, dass Widersprüche stehen bleiben dürfen. 


Eine intensive Biografie ohne pathetische Glorifizierung, dafür mit neuen Perspektiven. Ich geh dann jetzt mal wieder das Unplugged-Album hören (Reclam, 2024, 100 Seiten, 12 €)

David Mitchell: Utopia Avenue

Eine von meinen Buchempfehlungen: Das Buchcover von David Mitchells Roman Utopia Avenue

Utopia Avenue von David Mitchell ist die Geschichte der gleichnamigen Band, die wir im selben Atemzug mit den Beatles und den Stones nennen würden, wenn es sie denn gegeben hätte. Elf, Dean, Jasper und Griff sind als fiktives Rockquartett im England der späten 1960er angesiedelt und erobern mit zwei Alben die Welt, während der Summer of Love in Gewalt und Gier umschlägt.


Bunte Details, Zeitsprünge, wechselnde Perspektiven und gewagte Sprachbilder: Ich habe jede Seite genossen. David Mitchell erfüllt meine Erwartungen - aber ganz anders als gedacht: Ein sympathischer Manager! Die Frauen haben die besten Dialogzeilen! Der Schlagzeuger ist keine impulsive Knalltüte! (Der Bassist schon.) 


Mitchell schreibt sich behutsam in die neurodiverse Psyche von Jasper, dem Gitarristen. In das bisexuelle Gefühlschaos von Elf, der Multiinstrumentalistin. In eine Zeit, die von Aufbruch und Widersprüchen geprägt war wie kaum eine andere und in die alles verbindende Macht der Musik (Rowohlt Taschenbuch, 2024, 752 Seiten, 18 €)

Lily Brett: Lola Bensky

Bücher über Musik: Das Buchcover von Lola Bensky von Lily Brett

Lola Bensky könnte eine Bridget Jones der 1960er sein. Gleich im ersten Absatz sehen wir ihr dabei zu, wie sie mit einer viel zu engen Netzstrumpfhose auf einem viel zu unbequemen Barhocker sitzt und ihr vermeintliches Übergewicht verflucht, während sie Jimi Hendrix interviewt und mit ihm über Lockenwickler fachsimpelt. Doch Lola ist Tochter von Holocaust-Überlebenden. Als Redakteurin für ein australisches Rockmagazin reist sie durch die Welt. Sie interviewt Mick Jagger, leiht Cher ihre Wimpern, lässt sich von Pete Townshend anschnauzen und stellt Cat Stevens überraschende Fragen.


So weit ein fluffiges Buch mit Musik, Rockstar-Glamour und Interviews, die wohl wirklich so stattgefunden haben, denn die Autorin Lily Brett war selbst Musikjournalistin. Doch Lola wird immer wieder mitten in ihren Interviews heimgesucht. Von dem, was ihre Eltern im Lager mit ansehen mussten. Ich habe das Buch mehrfach zur Seite gelegt und konnte diese lakonischen Sätze voller Grausamkeit, die mitten im Leichten lagen, kaum aushalten. Doch es ist so wichtig, dass wir uns verstörbar machen. Für das unaussprechliche Grauen, das Autorinnen wie Lily Brett in hinreißend komische und lebenskluge Romane legen (Suhrkamp Insel, 2013, 302 Seiten, 10 €)

Melanie Raabe über Lady Gaga.  KiWi Musikbibliothek, Band 12

Das Cover von Melanie Raaber über Lady Gaga aus der Kiwi Musikbibliothek.

„Lady Gaga ist tot“. Als Melanie Raabe im Dezember 2019 diese Meldung liest, ist sie erschüttert. Sie trauert wie um eine Freundin, obwohl sie Stefani Joanne Angelina Germanotta alias Lady Gaga nie persönlich begegnet ist. Bis Raabe herausfindet, dass es sich bei der Verstorbenen nicht um den Popstar, sondern um Deutschlands schönste Kuh handelt, verbringt sie viel Zeit damit, über ihre Beziehung zu Lady Gaga nachzudenken. Diese beiden Leben könnten nicht unterschiedlicher sein. Stefani wächst als musikalisches Wunderkind in New York auf, Melanie dagegen verbringt eine gänzlich unmusikalische Kindheit in Deutschland. Als Lady Gaga in ihr Leben tritt, wird die leise Melanie zum Hardcore-Fan der lauten Stefani und inhaliert alles, was sie über den Popstar in die Finger kriegt. 


Ihr Buch über Lady Gaga lässt sich schnell weglesen, wirkt aber lange nach. Ich habe jetzt erst so richtig verstanden, was für eine mutige Künstlerin Lady Gaga ist, die bei allem Ruhm auch zu ihrer Fragilität steht und viele Menschen dazu inspiriert hat, an sich selbst zu glauben (KiWi-Taschenbuch, 2021, 128 Seiten, 12 €)

Sinéad O'Connor: Rememberings

Eine der englischsprachigen Buchempfehlungen Bücher über Musik: Sinead O Connors Rememberings (Cover)

Die außergewöhnliche Autobiografie einer besonderen Musikerin - ebenso witzig wie tragisch: Mit ihrem Auftritt bei Saturday Night Live sollte Sinéad O’Connor ihr drittes Album promoten. Aber nach dem ersten Song wich sie vom Skript ab. Sie holte ein Bild des Papstes hervor und riss es in Stücke. 


Auf ihr Ansehen und ihren finanziellen Erfolg hatte die Aktion extremen Einfluss. Sie konnte danach nie wieder an ihren früheren Erfolg, der mit Nothing Compares 2 U begann, anknüpfen. Bis zu ihrem frühen Tod blieb sie in der öffentlichen Wahrnehmung die crazy bitch. Ihre musikalischen Leistungen, ihre einzigartige Stimme traten in den Hintergrund. 


Es macht mich traurig, dass Sinéad O’Connor nicht als Königin auf ihrem Thron aus Wut alt werden durfte. Dass die Menschen nicht an diesen Thron getreten sind, um sich lehren zu lassen, wie man das macht. Wütend sein. Und verletzlich. Rest in Rage, Sinéad. (englische Ausgabe, Penguin, 2022, 304 Seiten, 12,99 €)

Nick Hornby: Juliet, Naked

Eine meiner liebsten Buchempfehlungen: Das Cover von Juliet Naked von Nick Hornby

„Sie waren von England nach Minneapolis geflogen, um sich ein Klo anzuschauen.“ Der in den 1980ern gefeierte Singer-Songwriter Tucker Crowe hatte auf jenem Klo offenbar ein so einschneidendes Erlebnis, dass er danach nie wieder etwas von sich hören ließ. Sehr zur Enttäuschung seiner Fangemeinde, die nach Tuckers Verschwinden wilde Theorien darüber austauscht, was mit ihrem Idol passiert ist. Allen voran Hardcorefan Duncan. 


In Juliet Naked geht es um Musik, ums Fansein und um wasted time. 


Wegen dieser Verschwendung möchte man die meisten Figuren, die im Buch vorkommen, entweder schütteln oder anschreien oder beides. Doch Nick Hornby schafft es, sie liebenswert zu machen. 


Die Diskografie des fiktiven Singer-Songwriters Tucker Crowe und sein musikalischer Werdegang haben mich so überzeugt, dass ich nach dem Lesen das Gefühl hatte, einen neuen Künstler für mich entdeckt zu haben.(KiWi-Taschenbuch, 2010, 368 Seiten, 10 €)

Erik Fosnes Hansen: Choral am Ende der Reise

Das Cover eins der größten Bücher über Musik: Erik Fosnes Hansen, Choral am Ende der Reise

"Dann versank das Schiff." Macht man ja eigentlich nicht, den letzten Satz eines Buchs verraten. In diesem Fall ist es allerdings kein Spoiler. Jeder Mensch kennt das Schicksal der R.M.S. Titanic.


"Choral am Ende der Reise" von Erik Fosnes Hansen erzählt die Geschichte der sieben Musiker, die am 10. April 1912 an Bord des Luxusliners gehen, um auf der fünftägigen Jungfernfahrt die Passagiere zu unterhalten. Eine bunt zusammengewürfelte Truppe aus aller Herren Länder. Und, wie der Autor im Nachwort betont, ein fiktives Orchester. 


Erik Fosnes Hansen zeichnet ihre Biografien nach, voller Hoffnungen und Niederlagen, voller Leidenschaften und Verzweiflung. Und vor allem voller Musik. Die Sprache ist rhythmisch, poetisch, klangvoll. Ein Meisterwerk, das seit 25 Jahren in meinem Bücherregal steht, Umzüge und Lebensphasen still begleitet hat. Ich bin froh, dass ich es jetzt endlich wieder entdeckt habe. (KiWi-Taschenbuch, 2019, 512 Seiten, 14 €)

Johanna Gerhard: Der Klang von Feuerblau

Top-Titel der Selfpublishing Buchempfehlungen: Der Klang von Feuerblau von Johanna Gerhard

In diesem leisen Roman steht die junge Kit Camino im Mittelpunkt, deren Leben lange von der Musik geprägt war. Wenn sie Cembalo spielte, nahm sie die Klänge als Farben wahr – eine besondere Gabe, die ihre Verbindung zur Musik noch intensiver machte. Doch seit dem Zerwürfnis mit ihrem Vater meidet Kit das Instrument und alles, was sie an ihre gemeinsame Vergangenheit erinnert. Als ihr Vater unerwartet stirbt, erbt Kit das alte Familienhaus Winters Weiher. Der Ort, an dem sie ihre Kindheit verbracht hat, wird plötzlich zu einem Raum voller Erinnerungen. Je länger sie dort bleibt, desto deutlicher wird: Die Musik, die sie so lange verdrängt hat, lässt sich nicht einfach zum Schweigen bringen.


Der Roman erzählt einfühlsam von Verlust, Versöhnung und der Frage, ob man sich von seiner eigenen Leidenschaft wirklich lösen kann. Besonders berührend ist dabei die Verbindung zwischen Musik, Erinnerung und Familie. Ein leiser Roman über die Kraft der Vergebung und die Farben der Musik. Mit einer ganz zarten Liebesgeschichte.  (Independently Published, 2021, 230 Seiten, 11,99 €)